Zum Inhalt springen
Zurück zum Wissenszentrum

Andrologie

Penisprothese: Ablauf und realistische Erwartungen

Der Eingriff ist nicht rückgängig zu machen, und die Infektion ist die Komplikation, auf die es ankommt. Beides sollte die Entscheidung stärker bestimmen als Preis oder Werbung.

Assoc. Prof. Dr. Müslüm ErgünVeröffentlicht am: 3 Lesezeit
Zugehörige Behandlung:Penisprothese (Penisimplantat) — Operation

Zwei Tatsachen vorweg

Erstens: Der Eingriff ist irreversibel. Für das Einbringen der Prothese muss das Schwellkörpergewebe aufgedehnt werden; natürliche Erektionen kehren danach nicht zurück. Müsste die Prothese ohne Ersatz entfernt werden, wäre die Situation schlechter als vorher.

Zweitens: Die Infektion ist die gefürchtetste Komplikation, weil ein infiziertes Implantat häufig entfernt werden muss. Patientenauswahl, Blutzuckereinstellung, Vorbereitung und Technik sind sämtlich darauf ausgerichtet, dieses Risiko zu senken.

Beides spricht dagegen, diese Entscheidung schnell und preisgetrieben zu treffen.

Die Prothese steht am Ende, nicht am Anfang

Bei Erektionsstörungen kommen zuerst Tabletten, dann die Injektionstherapie, dann Vakuumsysteme. Viele Männer kommen damit gut zurecht.

Wird Ihnen eine Prothese angeboten, ohne dass jemand erfragt, was Sie bereits versucht haben und warum es nicht geholfen hat, ist das ein Warnsignal. Wer Ihnen sagt, Sie seien noch kein Kandidat, zeigt Urteilsvermögen.

Ebenso wichtig: Erektionsstörungen sind häufig ein frühes Zeichen einer Gefäßerkrankung oder eines Diabetes. Eine Prothese behandelt keines von beidem.

Diabetes und Infektionsrisiko

Eine schlecht eingestellte Blutzuckerlage erhöht das Infektionsrisiko deutlich. Ist Ihr Langzeitwert hoch, lautet die richtige Empfehlung, die Einstellung vor dem Eingriff zu verbessern — auch wenn das eine Verschiebung bedeutet.

Eine Klinik, die aus diesem Grund verschiebt, schützt Sie. Eine, die trotzdem operiert, schützt ihren Operationsplan.

Fragen Sie konkret, welchen Grenzwert der Operateur voraussetzt und ob Ihr aktueller Wert ihn erfüllt.

Die beiden Prothesentypen

Die biegsame Prothese besteht aus zwei halbstarren Stäben. Der Penis wird bei Bedarf nach oben gebogen und danach wieder abgelegt. Vorteil: einfache Handhabung, keine Mechanik, weniger technische Defekte. Nachteil: Der Penis bleibt dauerhaft in einem festen Zustand, was beim Ankleiden stören kann.

Die hydraulische Prothese besteht aus Zylindern, einer Pumpe im Hodensack und einem Flüssigkeitsreservoir. Sie liefert das natürlichste Ergebnis, weil der Penis im Ruhezustand weich bleibt. Dafür ist sie ein mechanisches System, das bedient werden muss und ausfallen kann.

Keiner der Typen ist grundsätzlich überlegen. Handkraft und Feinmotorik, Arthrose, vorbestehende Vernarbungen im Schwellkörper und persönliche Prioritäten bestimmen die Wahl. Wer allen Patienten denselben Typ empfiehlt, individualisiert nicht.

Erwartungen, die vorher ausgesprochen gehören

Die Prothese stellt die Steifigkeit her. Sie stellt weder Empfindung noch Lust noch Ejakulation wieder her. Was vorher eingeschränkt war, bleibt eingeschränkt.

Viele Männer empfinden den Penis nach dem Eingriff als kürzer als zuvor. Das ist einer der häufigsten Gründe für Unzufriedenheit und gehört ausdrücklich vor die Operation, nicht danach.

Die Prothese ist langlebig, aber nicht unbegrenzt haltbar. Nach Jahren kann ein mechanischer Defekt einen Wechsel erforderlich machen — für jüngere Patienten ein realer Punkt.

Was vor einer Behandlung im Ausland zu klären ist

Dass die namentlich genannte Person selbst operiert.

Dass der Eingriff in einer Klinik mit regulärem Operationssaal und stationärer Versorgung stattfindet, nicht in einer Praxis.

Welches Fabrikat und Modell verwendet wird — schriftlich, vor der Operation.

Was geschieht, wenn nach Ihrer Rückkehr eine Infektion auftritt: wen Sie erreichen und was die Klinik dann tut.

Ob eine Herstellergarantie besteht und wie ein Garantiefall aus Deutschland abgewickelt wird.

Planen Sie genügend Tage ein, um die Bedienung der Prothese vor Ort persönlich zu lernen. Die Prothese wird erst nach abgeschlossener Heilung in Gebrauch genommen; den Zeitpunkt legt der Operateur fest, eine zu frühe Nutzung kann schaden.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.

Quellen

Diese Seite dient nur der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.